Menschen 2011- Hape Kerkeling macht "Menschen 2011" zu Personality-Show

    • Offizieller Beitrag

    Von Jürgen Overkott

    Essen. Für Hape Kerkeling war es der erste Jahresrückblick. In der ZDF-Sendung "Menschen 2011" wusste er am Sonntagabend dennoch zu überzeugen und muss den Vergleich mit Thomas Gottschalk nicht scheuen. Denn Kerkeling führte souverän und scheute auch nicht davor, sich selbst aufs Korn zu nehmen.

    Es schien das übliche Strickmuster zu sein: Menschen, Tiere, Emotionen. Und doch hatte Hape Kerkeling bei seinem Jahresrückblick im ZDF seine eigene Masche. Er machte „Menschen 2011“ zu seiner Personality-Show.

    Am Ende, um Viertel vor zwölf, war's eine Punktlandung – und das bei Kerkelings erstem Rückblick. Die unausgesprochene Erleichterung der Regie ließ sich beinahe mit Händen greifen. Immer wieder blendete sie die Zeit der nachfolgenden Spätausgabe der „heute“-Nachrichten ein, und nur einmal, ganz kurz, schien es so, dass der 47-jährige Entertainer überziehen würde – eine einzige kümmerliche Minute. Zum Vergleich: Dem scheidenden Mainzelmann Thomas Gottschalk galt jede Sendung, bei der er weniger als 15 Minuten überzog, als pünktlich beendet.

    Hape Kerkeling überzieht kaum bei "Menschen 2011"

    Den Vergleich mit Gottschalk muss Kerkeling nicht scheuen. Der lange Blonde hatte im vorigen Jahr Bilanz fürs Zweite gezogen. Bei der 30. Ausgabe der Show wollte sein Nachfolger Gottschalk „TG“ und Kollegen der Abteilungen I & U, sprich: Information und Unterhaltung, zeigen, wo's lang geht, und über weite Strecken erwies sich der gebürtige Recklinghäuser als trittsicher.

    Nur zu Beginn des dreieinhalbstündigen Show-Marathons geriet Kerkeling ins Straucheln – als er sich selbst zitierte. Seine Verkleidungsnummer als Königin Beatrix (reloaded) war ein televisionärer Kropf: überflüssig. Als Kerkeling vor 20 Jahren als vorgebliche Trixi ein Wachbataillon vor Schloss Bellevue aufmischte, war es ein Akt fröhlicher Anarchie. Die Neuauflage seines Gags in einem badischen Nobel-Restaurant hingegen wirkte abgeschmackt. Klassen-Clown war gestern.

    Kerkeling besticht durch gute Führung im Gespräch mit Überlebenden des Breivik-Attentats

    Und dennoch: Neben routiniertem Karten-Wegmoderieren à la Günther Jauch mit reichlich Gefälligkeitsblabla hatte Kerkeling einige Momente, die gerade dem best bezahlten ARD-Talker zu denken geben sollten. Das schreckliche Attentat von Norwegen war Pflicht, für Günther Jauch, der den Reigen der Rückblicke für RTL vor Wochenfrist eröffnet hatte, wie für seinen ZDF-Kollegen. Doch Kerkeling, in seriösem Dunkelblau, bestach durch seine Gesprächsführung. Mit knappen Fragen gab er der jungen Überlebenden Stine Brandvik Gelegenheit, ihre Emotionen in Worte zu fassen. Als er anschließend die angehende Abiturientin mit ihrem deutschen Retter Markus Gleffe zusammenbrachte, ließ Kerkeling neben den erwünschten öffentlichen Gefühlen Platz für Regungen, die privat blieben: Die Widmung für den Retter klammerte er bewusst aus – und das war gut so. Jauch hingegen hatte das Gespräch mit zwei weiteren Überlebenden und Gleffe derart fischkalt geführt, als wolle er den Schaden für eine Versicherung abwickeln.

    Kerkelings Talk-Kunst entlockte auch einem anderen Gast ein unerwartetes Statement: dem gelähmten Samuel Koch. Der vor einem Jahr bei „Wetten, dass..?“ verunglückte Kandidat bekannte unverhohlen, sich alles andere als wohl zu fühlen: „Ich kann mich immer noch nicht ganz mit meinem Körper identifizieren.“

    Tennis-As Andrea Petkovic gibt Kerkeling eine Lehrstunde

    Für überraschende Momente, im besten Sinne, sorgte Kerkeling immer wieder selbst. Immer dann, wenn er spielerisch an Gesprächspartner und Themen heranging, war er so gut wie lange nicht. So gab er bei einem Schnellkurs mit Tennis-As Andrea Petkovic gern den Sport-Depp – genauso wie beim gehechelten Kurzgespräch mit Marathon-Großmutter Sigrid Eisner auf dem Laufband zum Schluss der Sendung. Die Leichtfüßigkeit, mit der sich der Star klein machte, lässt ihn in Wirklichkeit noch größer erscheinen – und seine Gäste kommen obendrein auch auf ihre Kosten.

    Das Publikum kam, alles in allem, ebenfalls auf seine Kosten. Kerkeling gelangen Übergänge von schräg zu ernst, von tragisch zu komisch, von politisch zu privat deutlich besser als der Redaktion mit ihren oft bemüht lockeren Einspielern.

    Der Entertainer zeigte, dass er sich gerade wieder häutet. Inzwischen kann er Emotionen so schnell wechseln wie ein Chamäleon die Farben. Wenn er auf selbstverliebte Albernheiten verzichtet, kann er es schaffen, dass Qualitäten im deutschen Showgeschäft demnächst neu gemessen werden: auf der nach oben offenen Kerkeling-Skala.

    [Quelle: DerWesten ]

    :182:

    Wie man gesehen hat, geht es auch ohne Gottschalk.... :+:

    Jürgen Overkott, der Verfasser dieses Artikels scheint echter "Kerkeling-Fan" zu sein...und da steht er nicht allein! :77:
    (Mmmmh...reimt sich sogar. ;) )

    Gruß
    data :97:

    "Beim Tanken einfach nach dem Benzin vom Vortag fragen
    - klappt ja auch beim Brot"
    (Anonymus)

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